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23 Mai
2016

Reise nach Paris 2016

Unsere Reise nach Paris Ende April 2016 begann sehr früh, sehr unausgeschlafen. Nach 12 Stunden Fahrt, Staus vor Frankfurt und natürlich standesgemäß auf der Pariser Stadtautobahn kamen wir dann doch gen 16 oder 16.30 Uhr an. Einen kurzen Stopp am Polstermaterialien Händler „Simily“ konnten wir uns jedoch nicht verkneifen. Hier greifen Jahrhunderte meisterlicher Handwerkstradition auch in der Qualität der zu verarbeitenden Polstermaterialien. Kleine Sprungfedern zur Schnürung unserer klassischen Polstermöbel oder Gurte aus hochwertigem Leinen sind bei uns in Deutschland mittlerweile schwer, zuweilen gar nicht mehr zu bekommen. Schon jetzt hätte sich unsere Reise gelohnt, wirtschaftlich.

Im Hotel angekommen trudelten langsam die Kollegen des Restauratorenverbandes ein. Nach einem gemeinsamen Abendessen ging es dann früh ins Bett. Der Plan zur Gestaltung des nächsten Tages war recht ambitioniert.

Mit der Metro am Place de Victoire angekommen standen wir nun vor dem großen Tor des Geländes des berühmten „Mobilier National“.

Gegründet von Henri dem IV, stellt diese auf mehrere Innenhöfe und Gebäudekomplexe verteilte Manufaktur für die Restaurierung alter, aber auch für die Anfertigung vollkommen neu entworfener, ausschließlich in den eignen Werkstätten angefertigter Einrichtungsgegenstände von Polstermöbeln über Vorhänge bis hin zu modernen Schreibtischlampen eine französische Institution dar. Als Restauratoren im Raumausstatterhandwerk interessiert uns natürlich die perfekte Restaurierung von Möbeln der französischen Kulturgeschichte, die an viele Schlösser Frankreichs zu musealen Zwecken geliefert, aber auch zum täglichen Gebrauch von Ministern, Präsidenten und Staatsgästen gearbeitet werden.

Im Gegensatz zur Handwerksarbeit wie wir sie aus den heimischen Betrieben kennen spielt im „Mobilier National“ die Wirtschaftlichkeit der Arbeiten eine geringere Rolle. Vielmehr sollen hier handwerkliche Traditionen und die exquisite französische Wohnkultur konserviert aber auch perfektioniert werden. Nach einer kurzen Führung über die Innenhöfe konnten wir dann endlich die Werkstätten besuchen. Beginnend mit der Werkstatt zur Restaurierung hochwertiger Metallgegenstände, wie sie im Schloss von Versailles oder Fontainebleau hängen und stehen. Neben Kronleuchtern gehören historische Uhren oder aber metallene Tische oder moderne Schreibtischlampen zu den hier restaurierten Objekten.

Als Raumausstatter interessierten wir uns natürlich mehr für die Vorhänge, Teppiche und Polstermöbel, mussten uns aber weiterhin in Geduld üben. Mittlerweile wurde uns klar, dass die Chance die Werkstätten der Elite des französischen Handwerks zu besuchen eine besondere ist, die sich so ohne unsere Kontakte nach Paris und ohne das Praktikum unseres Mitarbeiters Maximilian Busch in diesen Werkstätten nicht ergeben hätte. In der Hauseigenen Tischlerei angekommen durften wir endlich die ersehnten Möbel begutachten.

Einer der Mitarbeiter, der schon seit den 1970er Jahren in der geschichtsträchtigen Werkstatt arbeiten durfte, war gerade dabei einen Empire-Stuhl zu restaurieren. Von der Werkstatt ging es direkt in eines der vielen Lager für alte Möbel. Gestapelt auf langen, hohen Regalen in einem noch längeren, noch höherem Raum befanden sich fertig restaurierte so wie original erhaltene Möbel verschiedener stilprägender Epochen.

Große vollgepolsterte Sessel, mit feinen Schnitzarbeiten versehene Sofas und Kommoden oder aber filigran gearbeitete Stühle sind nur ein kleiner Teil der Möbel die sich in diesem Lager befanden. Zumindest für uns gehörte es zu einem der Höhepunktet der Reise diese Fülle an geschichtsträchtigen Möbeln, auf denen Kaiser und Könige vor hunderten von Jahren saßen, in so einem unscheinbaren Raum besichtigen zu dürfen. Nach gefühlten 5 Minuten die wir in dem Lager verbringen durften ging es weiter in die Polsterwerkstatt. Hier wurde an den verschiedensten außergewöhnlichen Möbeln mit ausgefeilten Techniken gearbeitet. Gerade hier zeigte sich der Charakter des „Mobilier Nationals“ als Werkstatt, in der Perfektion und nicht etwa schnelles Arbeiten groß geschrieben werde.

Besonders interessant war neben vielen in Arbeit zu sehenden Stühlen und Fauteuils, das in komplett unrestauriertem Zustand stehende “ Indiscret“, ein rundes Konversationssofa für drei Personen von ca. 1870.

Im angrenzenden Nähatelier wurde gerade ein modern designtes Möbel aus den 1980er Jahren aufgearbeitet. Außerdem wurde eine Kopie eines Zeltes Napoleons komplett in Handarbeit angefertigt.

Alles konnten wir leider nicht sehen, da die 4 Stunden, die für unseren Besuch eingerechnet waren nicht mal im Ansatz gereicht hätten um unseren Wissensdurst zu stillen. Gestärkt von einem äußerst leckeren Essen ging es dann weiter in einen der zwei Internationalen Ausstellungsräume der Seidenmanufaktur „PRELLE“, die sich durch ihre hochwertigen Stoffe und aufwendigen Handwebverfahren auszeichnet.

Die hier angefertigten Stoffe sind nur einem sehr kleinen Kreis von Menschen zugänglich und werden unter anderem für dieRestauration der hochwertigsten antiken Möbel, unter anderem für den Thron Napoleons I, in Frankreichs Schlössern verwendet. Ein weiteres Charakteristikum der Manufaktur ist das Jahrhunderte alte Archiv. Hier wurden und werden Stoffmuster gelagert, die bei Bedarf neu angefertigt werden können. Auch hier war kaum Zeit die Muster und die, bedingt durch das verarbeitete Material, brillanten Farben auf uns wirken zu lassen. Auf der“ Rue du Mail“, der Straße der Showrooms vieler namhafter Stoffhersteller ging es weiter zur Posamtentenmanufaktur “ DECLAERCK“ . Ähnlich wie bei „PRELLE“ werden hier ausschließlich aufwendige Handarbeitserfahren zur Erstellung von Borten, Möbelkordeln oder Quasten angewandt, die ihren entsprechenden Preis haben. Zur Krönung wurde uns die Herstellung eines der Grundelemente für nahezu alle hergestellten Posamenten, eine gedrehte Kordel, auf einer antiquierten Maschine vorgeführt. Die alten Webstühle und Maschinen sind nach wie vor in täglicher Benutzung.

Am Samstag dem 23. April führten uns unsere Ortsansässigen Kollegen und Freunde ins Museum „Nissim de Camondo“, der Stadtvilla einer ehemaligen französischen Bankiersfamilie. Ihre Sammlung antiker Möbel mit kunstfertigen Holzintarsien bzw. Marqueterien, deren Verarbeitung durch ihre Exaktheit mehr an Malerei als an Holzhandwerk erinnerte, wurde zu unserer Freude vollständig konserviert und uns für ein kleines Eintrittsgeld zugänglich gemacht. Als Handwerker/innen konnten wir es uns bei einigen Möbeln nicht verkneifen Hand anzulegen und so blieben Ermahnungen seitens des Sicherheitspersonals, dies doch bitte zu unterlassen, nicht aus.

Nachdem wir die verschiedenen Schritte der Restaurierung von Möbeln und der Herstellung von dafür verwendeten Stoffen und Posamenten durchschritten hatten, fuhren wir am letzten Tag aus der Stadt in das kleine Örtchen Fontainbleau, mit dem gleichnamigen Schloss. Hier verwirklichten sich Könige verschiedener Epochen mit erweiterten Anbauten an dem eigentlichen Schloss und hinterließen so ein großes Gebäudeensemble

Entsprechend trafen alle bedeutenden Französischen Kunststile aufeinander. Von antiken mehr als 300 Jahre alten Wandteppichen und Schnitzereien an Wänden, Türen, Möbeln und Decken, über kunstfertige Dekorationen hin zu feinsten Möbeln, wie dem Thron Napoleons I. war hier alles an Wohnkultur zu sehen. Dazu hatten wir das Glück, zusammen mit einem der Restauratoren der unter anderem genau diesen Thron restaurieren durfte, unterwegs zu sein.

So verging die Reise des Verbandes der Restauratoren im Raumausstatterhandwerk wie im Flug. Natürlich blieben auch kulinarische Ergüsse und gesellige Abende nicht aus. So konnten wir mit einem guten Gefühl, dem Gefühl etwas gelernt zu haben und dem Gefühl etwas genossen zu haben leicht schwermütig nach Hause fahren.

Alexander Busch
Raumausstatterlehrling bei „Raumausstattung Busch“

 
… für Ihr persönliches Wohngefühl
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